Hilfe für Flutopfer
„Der Wiederaufbau wird Jahre dauern“


Nach der Flutkatastrophe brauchen die Menschen in Stolberg und Eschweiler neben Geld und Hilfe vor allem eins: Handwerker. Ein Bericht aus der Region, für die OZ-Leser spenden können.
Gemeinsam mit der Aachener Zeitung (AZ) sammelt diese Zeitung Spenden für die Betroffenen der Hochwasserkatastrophe in der Region Aachen. Dieser Text ist in der AZ erschienen und schildert die Lage vor Ort.
Aachen - Fenster, die schräg im Rahmen hängen und sich nicht mehr schließen lassen. Türen, die aufgequollen sind und sich auch nicht mehr schließen lassen: All das, was das Hochwasser der Inde zerstört hat, gilt es zu reparieren. Erst provisorisch, dann richtig. Schreinermeister Eduard Brammertz und sein rund 30-köpfiges Team aus Kornelimünster sind seit Tagen damit beschäftigt, den Menschen in Aachen, Eschweiler und Stolberg zu helfen, die langsam wieder in ihre Wohnungen zurückkehren möchten, um dort zu leben.
„Wir schauen aktuell, welche regulären Aufträge wir zurückstellen können“, sagt Brammertz. Die allermeisten Kundinnen und Kunden, die die Dienste des Schreiners in Anspruch nehmen, hätten durchaus Verständnis dafür. „Diese Katastrophe ist ja an niemandem vorbeigegangen.“
Der große Schock kommt oft erst noch
Die Schreiner haben unter anderem Notfallhilfe in der Propsteikirche in Kornelimünster geleistet, mittlerweile sind sie in vielen Wohnhäusern unterwegs. „Viele Menschen sind jetzt in Panik, wollen wissen, wie hoch der Schaden ist, um mit ihrer Versicherung Kontakt aufzunehmen“, berichtet Brammertz. Doch dafür sei es in vielen Fällen noch zu früh. Gerade beim Holz zeige sich erst nach der Trocknung, was wirklich kaputt sei. Und das ist noch nicht alles: „Für viele kommt der große Schock erst noch“, sagt der Handwerksmeister. Denn in Räumen, in denen das Wasser der Inde 30 bis 40 Zentimeter hoch stand, müsse im Grunde genommen alles herausgerissen werden. „Da reicht auch gründliches Putzen nicht. Das Wasser steht unter dem Fußboden, steht in den Wänden.“
Durch die Chemikalien, das Öl und den anderen Dreck, den das Wasser während der Flut mit sich führte, bestehe die erhöhte Gefahr einer Pilzbildung. „Das alles wird noch lange Zeit dauern“, meint Brammertz, auch im Hinblick auf den Materialmangel im Handwerk.
„Der Dreck sitzt überall“
Ein paar Kilometer weiter flussabwärts: Es ist immer noch feucht und dreckig in dem Keller eines Wohn- und Geschäftshauses in der Eschweiler Innenstadt. Kein Wunder: Das Wasser stand in diesem Untergeschoss bei etwa 1,50 Metern. Im Kellerflur pusten diverse Trocken- und Lüftungsgeräte laut vor sich hin. Und in einem kleinen Kellerraum stehen Thorsten Schmitz und Stephan Offermanns und sorgen dafür, dass die Wohnungen und Geschäftsräume in den oberen Etagen wieder mit Strom versorgt werden.

Es gibt zu wenig Handwerker
Das Problem, oder viel mehr die Probleme: „Wir haben im Handwerk einfach einen Fachkräfte- und zurzeit auch einen Materialmangel“, sagt Thorsten Schmitz. Es gibt zu wenige Elektriker, die jetzt Hilfe leisten können. Schmitz und seine Kollegen schieben derzeit Zwölf-Stunden-Schichten.
Elektrotechnik Ell ist nur eines von vielen Beispielen, wie man sie gerade in Eschweiler finden kann. Fachleute gehen von Haus zu Haus, tun, was sie können, brauchen aber ihre Zeit dazu. „Natürlich ist unser Akku auch irgendwann leer. Aber was soll man machen?“ Die Versorgung mit Strom sei nun einmal eine Sache der Grundversorgung und kein Luxusgut. „Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass die Leute wieder anständig leben können.“ Dabei geht es nicht nur ums Kaffeekochen oder Handy aufladen. Ohne Strom im Haus funktioniert kein Bautrockner, keine Wasserpumpe.
Große Schäden in Stolberg
Während man in Eschweiler schon recht weit ist mit dem Wiederaufbau, sei die Lage in Stolberg noch deutlich angespannter. „Dort ist die Infrastruktur deutlich nachhaltiger beschädigt“, sagt Schmitz. Durch die zerstörten Straßen seien auch Hauptleitungen und Ortsnetztransformatoren in Mitleidenschaft gezogen worden. Auch wenn es noch etwas dauern sollte, ehe ein Elektriker sich um die Stromzufuhr in einem betroffenen Gebäude kümmert, bittet der Obermeister inständig darum, dass kein Laie sich an einen Sicherungskasten begeben sollte. „Die Gefahr eines Kurzschlusses, eines Brandes ist einfach zu groß“, warnt Schmitz.

So können die OZ-Leser helfen
Seit einer Woche läuft die Spendenaktion der Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO), zu der auch diese Zeitung gehört. Über das Hilfswerk „Ein Herz für Ostfriesland“, eine Tochter der ZGO, wird Geld für Menschen in Eschweiler und Stolberg gesammelt. Die Orte wurden besonders hart von der Flut getroffen.
Das Spendenkonto lautet: „Ein Herz für Ostfriesland gGmbH“, IBAN: DE 55 2859 0075 0011 1112 00 bei der Ostfriesischen Volksbank eG, Leer. Gespendet werden kann auch hier direkt über Paypal. Jeder einzelne Spenden-Euro geht an die Flutopfer. Die Verwaltungskosten der „Ein Herz für Ostfriesland gGmbH“ werden komplett von der Zeitungsgruppe Ostfriesland getragen. Es gibt keinerlei Verrechnungen oder Abzüge.
Wer nicht möchte, dass sein Name in der Zeitung veröffentlicht wird, muss das bitte auf der Überweisung vermerken. Bis zu einer Spende von 199 Euro erkennt das Finanzamt den Einzahlungsbeleg an. Bei höheren Beträgen können Spendenquittungen ausgestellt werden. Nähere Informationen gibt es per E-Mail.
Weitere Infos zur Aktion gibt es hier.