Auricher im ZDF  Mit einem alten Schein zu vielen bunten Scheinen

Eva van Loh
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Von Eva van Loh
| 18.09.2024 11:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Auricher sammelt seit seinem fünften Lebensjahr Briefmarken, Postkarten und andere historische Stücke. Foto: Eva van Loh
Der Auricher sammelt seit seinem fünften Lebensjahr Briefmarken, Postkarten und andere historische Stücke. Foto: Eva van Loh
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Bei der ZDF-Sendung „Bares für Rares“ hat der Auricher Robert Scharf japanisches Papiergeld verkauft. Wie er die Expertenschätzung übertreffen konnte und was er noch in seiner Sammlung hat.

Aurich - Seit seinem fünften Lebensjahr sammelt Robert Scharf aus Aurich Briefmarken, Postkarten und ähnliche historische Schätze. Eines seiner Sammlerstücke war dabei ganz besonders: Eine japanische Banknote – eine sogenannte Hansatsu – aus dem Jahr 1777. Die hat er jetzt bei der ZDF-Sendung „Bares für Rares“ verkauft.

Eine Kopie der Banknote hat Robert Scharf noch zu Hause. Foto: Eva van Loh
Eine Kopie der Banknote hat Robert Scharf noch zu Hause. Foto: Eva van Loh

Das japanische Papiergeld war nur eins der vielen Stücke aus Scharfs Sammlung. Der 61-jährige Rettungssanitäter besitzt noch weitere Stücke, die auch in das Sortiment eines Antiquitätenhandels passen würden. Er zeigt stolz seine Alben voller Briefmarken und Postkarten. Einer der Briefe in seinem Album wurde 1936 mit dem Luftschiff LZ 129 „Hindenburg“ aus den USA nach Deutschland verschickt, andere Seiten sind gefüllt mit gut erhaltenen farbigen Postkarten aus dem Ersten Weltkrieg. „Eigentlich könnte ich mich bald noch mal bei „Bares für Rares“ bewerben“, sagt er lachend.

Die Suche nach dem Ursprung der Hansatsu

Doch wie findet fast 150 Jahre alte Banknote aus Asien ihren Weg bis nach Aurich? Scharf erzählt im Gespräch mit unserer Redaktion, dass er den Geldschein bei einem Tausch mit einem britischen Briefmarkensammler bekommen hat. Das ist mittlerweile über 30 Jahre her. Damals habe der Auricher gar nicht genau gewusst, worum es sich bei dem Schein handelt. Er habe es zunächst für eine Art Urkunde gehalten. Auch eine Anfrage bei einem Berliner Museum brachte keine neuen Erkenntnisse.

Erst nachdem die Recherchen nach dem Ursprung des Sammlerstücks dieses Jahr wieder aufgenommen wurden, gab es neue Informationen. Es stellte sich heraus, dass es sich um altes Papiergeld handeln könnte. Doch wie alt genau das Papier ist und woher es kam, war immer noch nicht klar. Deshalb wurde eine Mail mit Bildern der Banknote an die ZDF-Sendung geschickt. Scharf sagt, er hätte nie damit gerechnet, dass eine Antwort kommen würde. Aber am 11. April ging es dann doch nach Köln.

Enttäuschende Expertenschätzung

Die Kunstexpertin Dr. Bianca Berding erläuterte die Geschichte des Geldscheines. Die Hansatsu waren eine Tauschgeldwährung, die je nach Schein gegen bestimmte Mengen Silber eingetauscht werden konnten. Der Schein aus Scharfs Sammlung konnte im alten Japan gegen umgerechnet 37,5 Gramm Silber eingetauscht werden. Allerdings werden solche Hansatsu laut der Expertin sehr häufig gehandelt. Zudem war Scharfs Sammlerstück nur einseitig bedruckt. Eigentlich seien Hansatsu von beiden Seiten bedruckt. Dr. Berding schätzte den Verkaufswert des Scheins deshalb auf nur 20 bis 30 Euro.

Scharf hatte sich eigentlich 150 Euro gewünscht. Doch trotz der eher enttäuschenden Expertenschätzung nahm er die Händlerkarte an. Auch für 30 Euro hätte er den Schein verkauft, sagt er.

Authentizität der Sendung fiel positiv auf

Die Händler schätzten den Wert des japanischen Scheins jedoch anders ein als die Kunstexpertin. Vor allem der österreichische Händler Wolfgang Pauritsch zeigte Interesse an Scharfs Sammlerstück. 150 Euro war sein Startgebot. „Jeder Wasserfall beginnt mit einem Tropfen", sagte Pauritsch. Was er nicht wusste: Er hatte den geschätzten Wert schon um das Fünffache überschritten. Als er von der Expertenschätzung erfuhr, erhöhte er sein Gebot lachend auf 300 Euro. Er kauft gerne Dinge, die er noch nie gesehen hat, sagte der Händler. Wenn nötig auch für das Zehnfache der Expertenschätzung.

Scharf ist mit seiner Ausbeute mehr als zufrieden. Auch an die Dreharbeiten im Studio erinnert er sich gerne zurück. Was ihm besonders positiv aufgefallen ist, ist die Authentizität der Sendung. „Uns wurden keine Worte in den Mund gelegt", sagt Scharf. „All das, was man in der Sendung sieht, kam ganz natürlich von uns.“

Autogrammkarten von den Händlern und Moderator Horst Lichter gab es zu der erzielten Summe dazu. Foto: Eva van Loh
Autogrammkarten von den Händlern und Moderator Horst Lichter gab es zu der erzielten Summe dazu. Foto: Eva van Loh

Wiedererkannt nach Auftritt im ZDF

Vor so einer großen Kamera zu stehen, führe zwar zu großer Anspannung. Aber sein Tag in Köln sei ein durchweg positives Erlebnis gewesen. „Ich habe wirklich versucht, alle Eindrücke mit zu nehmen. Ich dachte mir: Sowas passiert mir nie wieder". Bekannte Gesichter wie „Bares für Rares“-Moderator Horst Lichter persönlich zu sehen, war ebenfalls ein Highlight für Scharf. „Der ist wirklich sehr freundlich“, sagt Scharf. „Eigentlich genau so, wie man ihn im Fernsehen sieht.“. Auch die Händler und das Personal hinter der Kamera waren laut Scharf zuvorkommend und geduldig.

Nach seinem Auftritt im Fernsehen haben ihn schon einige seiner Patienten wiedererkannt, erzählt Scharf. Auch einigen seiner Kollegen wurde schon aufgetragen, ihm Grüße auszurichten.

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