Kolumne „Frau am Freitag“ Im Kreis der alten Meister


Ach, ja, sechs Herren am Tisch – geradezu ein Klassiker unter den alten Meistern. Wenn es doch wenigstens ein Stillleben gewesen wäre.
Die Frau am Freitag kann den Friedrich förmlich sagen hören: „So, jetzt bringen WIR mal das Land auf Kurs.“ Wir – sechs ältere Herren im Anzug. Keine Frau in Sicht. Wozu auch, mögen sich die neuen Granden der Nation gedacht haben – der Tisch ist ja schließlich schon gedeckt. Einschenken können sie sich immerhin schon selber. Na, denn – Prost! Wohl bekomm’s. Der Frau am Freitag bleibt angesichts dieser Altherren-Power jeder noch so kleine Bissen im Halse stecken. Mit dieser Tisch-Besetzung soll es nun also Richtung Zukunft gehen?
Da können wir Frauen uns ja mal gleich wieder die Kittelschürze anziehen und in Richtung Küche verschwinden. Bei dieser gewichtigen Runde ist am Tisch für uns kein Platz mehr. Der Frau am Freitag schwant nichts Gutes. Keine Wechseljahre fürs Land in Sicht – zumindest nicht in Richtung Fortschritt. Dabei kennt sich doch niemand so gut mit Wechseljahren aus wie wir Frauen. Wir wissen, wie heiß es werden kann und wie man am besten trotz vieler Nebenwirkungen und einiger Verluste gut durch die Zeit kommt (darüber spricht die Frau am Freitag übrigens auch in ihrem Podcast – überall da, wo es Podcasts gibt).
Aber den Herren „im besten Alter“ sind die Hitzewellen der Frauen – und auch die des Planeten – erstmal völlig egal. Solange der Tisch fertig gedeckt ist und die Erde sich dreht, läuft doch alles nach Wunsch. So viel Selbstgefälligkeit an einem einzigen Tisch wurde lange nicht veröffentlicht. Gegen diese Runde der alten Meister war das Selfie zum Start der Ampelregierung ja geradezu Kindergeburtstag.
Die Frau am Freitag ist gespannt, ob es die Herren rund um den Friedrich noch in die Neuzeit schaffen, in der Gleichberechtigung mehr als nur eine Floskel sein muss. Nötig wär‘s! Sonst müssen wir Frauen jetzt erstmal eine längere Zeit – tapfer bleiben.